Perspektiven verschieben , statt Möbel rücken Frauen-WG Ü60: Ein neuer Anfang zu dritt Hannelore, Renate und Brigitte, alle über 60, waren ihr Leben lang im sozialen Bereich tätig. Hannelore arbeitete in der Flüchtlingshilfe, Renate in einem Kinderheim, Brigitte in einer Behinderteneinrichtung. Kennen gelernt haben sich die drei vor fast 40 Jahren in der Ausbildung. Schon damals haben sie sich geschworen: Wenn wir alt werden, ziehen wir zusammen! Dass dieser Moment kommen würde, war immer klar – dass er so schwer werden würde, hatten sie nicht erwartet. Hannelore hat ihr Haus verkauft. Nicht aus Zwang, sondern aus einer tiefen Erschöpfung gegenüber allem, was ein Eigenheim mit sich bringt: Reparaturen, Verantwortung, das ständige Kümmern. Renate hat den Erlös aus ihrem Haus in die Pflege ihrer eigenen Mutter gesteckt. Und alle drei haben Verluste hinter sich. Männer, die nicht mehr da sind, zum Teil auch Kinder. Es ist kein leichter Lebensabschnitt, in dem sie sich jetzt befinden. Und genau deshalb haben sie sich füreinander entschieden. Vom Eigenheim ins Mietshaus Die drei haben ein Mietshaus gefunden und stehen jetzt vor der Aufgabe, viele Jahrzehnte gelebtes Leben in neue, kleinere Räume zu integrieren. Möbel, die jahrelang in großen Zimmern standen, müssen plötzlich anders funktionieren. Erinnerungsstücke, an denen Geschichten hängen, brauchen einen neuen Platz. Wie soll das bloß gehen? Was viele als Rückschritt sehen, hat viel Befreiendes. Der Vermieter kümmert sich um Reparaturen, die Verantwortung für das Haus liegt bei ihm. Darüber kann man sich durchaus freuen. Und dann kam Nelly von Originelly aus Celle ins Spiel. Sie hat mit dem gearbeitet, was da war: den Möbeln, den Wertsachen, den Geschichten dahinter. Und sie hat geholfen, all das in einen neuen Zusammenhang zu bringen. Konkret bedeutete das: Bestandsmöbel wurden neu angeordnet und auf die kleineren Räume abgestimmt – was passt wohin, was kann weg, was bekommt eine neue Rolle. Persönliche Gegenstände und Erinnerungsstücke wurden behutsam einbezogen. Nelly hat zugehört, bevor sie Vorschläge gemacht hat. Ein Farbkonzept wurde entwickelt, das die drei Frauen sich selbst nie zugetraut hätten. Kräftiger, fröhlicher, mutiger als erwartet. Jede Frage wurde beantwortet – und das in einer Art, die nicht belehrt, sondern beruhigt. Aus Unsicherheit und Angst wurden Vorfreude und Vorteile. Wenn man Räume mit den richtigen Farben und dem richtigen Licht ausstattet, fühlen sie sich nicht wie Verlust an, sondern wie ein Neuanfang. Das ist die eigentliche Leistung von Interior ReDesign in diesem Projekt: nicht Möbel rücken, sondern Perspektiven verschieben. Den Blick von dem, was fehlt, auf das lenken, was möglich ist. INFORMATION www.originelly.design In eigenen Worten „Es fühlt sich jetzt noch schöner an, da wir Nelly von Originelly engagiert haben, die ganz sensibel mit unseren Geschichten und Wertsachen umgeht und für jede Frage eine Antwort hatte, die uns beruhigt. Ihre Einrichtungsbeispiele sind so schön und die Farben hätten wir uns nie zugetraut, aber nun wird unser nächster Lebensabschnitt in einer Frauen-WG bunt und positiv.“ Hannelore, Renate & Brigitte Foto & Abbildung: ORIGINELLY Interior ReDesign 20 Wohnen
RkJQdWJsaXNoZXIy MjQwNjM=