BWI Ausgabe 02/2026

Förderung durch kluge Bestandsnutzung Ein vollständiger Abriss kam für Schneider nicht infrage, da es sich dann formal um einen Neubau gehandelt hätte. „Und das wäre mit dem Verlust relevanter Fördermöglichkeiten einhergegangen“, erklärt er. „Durch den Erhalt des historischen Kellers wurde das Projekt als Sanierung eingestuft – und damit war der Zugang zum Förderprogramm ‚Energieeffizient Sanieren‘ (KfW 261) möglich.“ Neben einem zinsgünstigen Kredit spielte insbesondere der Tilgungszuschuss – abhängig von der erreichten Effizienzstufe – eine wichtige Rolle. Erst durch diese Förderung wurde die Sanierung wirtschaftlich attraktiv. Lage als Schlüssel In Schneiders Konzept spielte die Lage des Hauses am S-Bahnhof eine zentrale Rolle: „Im 30-Minuten-Takt bestehen von hier aus Verbindungen nach Hannover – ein klarer Vorteil für Menschen, die in die Landeshauptstadt pendeln“, sagt der Planer. So entstand die Idee, möglichst viele kleinere, funktionale und bezahlbare Wohnungen zu schaffen. Schneider plante das Gebäude als Zehnfamilienhaus mit Einheiten zwischen 45 und 78 Quadratmetern und bis zu vier Zimmern. Die Einheiten verfügen über einen offenen Wohn- und Essbereich und ein bis drei Räume. Der Baustart erfolgte am 1. Juli 2025. Bereits am 1. Juni 2026 konnten die ersten Bewohner einziehen, weitere folgten einen Monat später. Technik zentral gedacht Bei der technischen Gebäudeausrüstung folgte Schneider einem klaren Prinzip: Zentralisierung und Reduktion von Komplexität. Deshalb erfolgt die Wärmeversorgung zentral über eine Wärmepumpe des Herstellers Viessmann, die die Fußbodenheizungen in allen Wohnungen speist. Im Keller – dem historischen Sandsteingewölbe – befinden sich heute die zugehörigen Pufferspeicher für die Heizkreise sowie ein weiterer Speicher für die Trinkwassererwärmung. Ergänzt wird das System durch eine kontrollierte Be- und Entlüftung mit Wärmerückgewinnung. Sowohl Wärmepumpentechnik (Vitocal 250-A Modular), Lüftungsanlage (Vitovent 300-W) als auch Speicherlösungen (Vitocell 100-E) stammen von Viessmann. Das Gebäude erreicht die höchste Förderstufe zum Effizienzhaus 40 Erneuerbare-Energien-Klasse, denn der Primärenergiebedarf 15,1 kWh/(m²a) beträgt, was Energieklasse A+ entspricht. Nahe dem S-Bahnhof Kirchdorf befindet sich ein altehrwürdiges Haus, dessen Fundament einst mit Sandsteinquadern aus dem Deister erbaut wurde. Ursprünglich 1862 als Einfamilienhaus errichtet, wurde es im Laufe der Zeit mehrfach umgebaut und diente zuletzt als Dreifamilienhaus. Über Generationen hinweg blieb die Immobilie in Familienbesitz, doch nach dem Tod des letzten Eigentümers konnten sich dessen Söhne die notwendige Modernisierung schlichtweg nicht leisten, und so stand das alte Gemäuer im vergangenen Jahr zum Verkauf. Der Eigentümer des Nachbargrundstücks, Torsten Schneider, erahnte das Potenzial – als Planer, Bauingenieur, Energieberater und Statiker kennt er sich mit Immobilien bestens aus. Neben der Beratung von Bauträgern realisiert er auch eigene Projekte. Kurzerhand entwickelte er ein Konzept für eine zukunftsfähige Nutzung des Hauses. Alte Mauern, neuer Anfang Wohnhaus von 1862 wird zukunftsfähiges Zehnfamilienhaus 36 Energiesparen

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