Mit dem neuen Gebäudemodernisierungsgesetz (GModG) vollzieht die Bundesregierung eine deutliche Kursänderung in der Wärmepolitik. Während das bisherige Gebäudeenergiegesetz (GEG) den schrittweisen Umstieg auf klimafreundliche Heiztechnologien forcieren sollte, setzt das GModG stärker auf Technologieoffenheit und längere Übergangsfristen für gas basierte Heizsysteme. Die entscheidende Frage lautet jedoch: Erleichtert das Gesetz tatsächlich die Wärmewende – oder erschwert es sie langfristig? Im Zentrum der Debatte steht die sogenannte „Biotreppe“. Sie erlaubt den weiteren Einbau gasbetriebener Heizungen unter der Voraussetzung, dass künftig steigende Anteile erneuerbarer Gase wie Biomethan eingesetzt werden. Politisch mag dieser Ansatz attraktiv erscheinen, weil er bestehende Technologien und Infrastrukturen berücksichtigt. Technisch und wirtschaftlich wirft er jedoch erhebliche Fragen auf. Denn Biomethan ist keine unbegrenzt verfügbare Ressource. Bereits heute ist das Angebot begrenzt, während gleichzeitig zahlreiche Sektoren auf diese Energieträger angewiesen sind. Industrie, Stromerzeugung, Schwerlastverkehr und Teile der Landwirtschaft konkurrieren um dieselben Mengen. Ob künftig ausreichend Biomethan zur Verfügung stehen wird, um einen großen Teil der deutschen Gasheizungen zu versorgen, ist offen. Unsicherheit in die Zukunft verlagert Für Hauseigentümer:innen ist dies von besonderer Bedeutung. Heizungsanlagen werden nicht für fünf Jahre angeschafft, sondern häufig für zwei bis drei Jahrzehnte. Wer heute eine neue Gasheizung installiert, trifft eine langfristige Entscheidung. Sollte sich später herausstellen, dass Biomethan knapp oder teuer bleibt, könnten Eigentümer:innen vor erheblichen Mehrkosten stehen. Die eigentliche Unsicherheit wird damit nicht beseitigt, sondern lediglich in die Zukunft verlagert. Hinzu kommt eine weitere grundlegende Frage: Werden die deutschen Klimaziele mit diesem Ansatz überhaupt erreichbar sein? Die meisten wissenschaftlichen Szenarien für einen klimaneutralen Gebäudesektor setzen auf eine weitgehende Elektrifizierung der Wärmeversorgung. Wärmepumpen gelten dabei als Schlüsseltechnologie, weil sie deutlich effizienter arbeiten als Verbrennungssysteme. Aus einer Kilowattstunde Strom können mehrere Kilowattstunden Wärme erzeugt werden. Die Nutzung von Biomethan oder anderen erneuerbaren Gasen ist hingegen mit erheblichen Umwandlungsverlusten verbunden. Falsche Lenkungswirkung Dadurch entsteht ein Zielkonflikt: Während Wärmepumpen den Energiebedarf reduzieren, erfordert der Betrieb gasbasierter Systeme langfristig große Mengen erneuerbarer Energien zur Herstellung der benötigten Brennstoffe. Das macht die Dekarbonisierung teurer und komplexer. Auch die Lenkungswirkung staatlicher Fördergelder verändert sich. Investitionen könnten verstärkt in neue Gasgeräte, die Aufrechterhaltung von Gasnetzen und die Erzeugung erneuerbarer Gase fließen. Gleichzeitig stehen weniger Mittel für Wärmepumpen, energetische Sanierungen, Wärmespeicher, Stromnetze oder andere Technologien zur Verfügung, die in nahezu allen Klimaszenarien eine zentrale Rolle spielen. Technologieoffenheit durch Wahlfreiheit? Die Diskussion erinnert dabei an frühere energiepolitische Entwicklungen. Deutschland war einst führend bei der Solarindustrie und verfügte über eine starke Position im Bereich Windenergie. Heute dominieren andere Länder große Teile dieser Märkte. Im Wärmesektor besitzt Deutschland derFoto: Hagen Energiesysteme „Genau hierin liegt das zentrale Risiko des Gesetzes: Es schafft Investitionsanreize auf Basis einer zukünftigen Verfügbarkeit, die bislang nicht gesichert ist.“ Wärmewende mit vielen Fragezeichen Warum das GModG Investitionen erleichtert, aber langfristige Unsicherheiten schafft 40 Energiesparen
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