»Die Vielfalt macht den Reiz aus« BWI im Gespräch mit Thomas Edathy THOMAS EDATHY ist Geschäftsführer der Stadtwerke Celle. BWI sprach mit ihm über die gelungene Rekommunalisierung der Energiesparten, neue Geschäftsfelder und warum auch ein Wohnmobilstellplatz zum Angebot des Unternehmens gehört. Herr Edathy, seit 2013 sind Sie Geschäftsführer der Stadtwerke Celle. Mit welcher Vision sind Sie damals nach Celle gekommen? Meine Aufgabe im Bewerbungsverfahren bestand darin darzustellen, wie ich die Stadtwerke entwickeln würde. Das Ziel war klar: Die Rekommunalisierung der Energiewirtschaft voranzutreiben, den steuerlichen Querverbund mit dem Celler Badeland wiederherzustellen und die Stadtwerke Celle weiter zu stärken, um damit die Gewinnabführung an die Stadt langfristig zu sichern. Damals hatten die Stadtwerke im Kernbereich gerade einmal vier Mitarbeitende, ich war der fünfte, und viele haben gesagt, dass das nicht funktionieren würde. Aber wir haben es bereits nach knapp einem Jahr geschafft, wieder den Strom- und Gasvertrieb aufzunehmen, den steuerlichen Querverbund mit der Bädersparte genehmigt zu bekommen und anschließend weitere Geschäftsfelder aufzubauen. Welche neuen Geschäftsfelder sind das konkret? Neben den „alten“ Geschäftsfeldern Bäder und Parkhäuser sind in den Jahren meiner Amtszeit die Geschäftsfelder Strom-, Gas- und Wärmeversorgung, Elektromobilität, Immobilien, Straßenbeleuchtung, Photovoltaik sowie anderes mehr neu entstanden. Zudem haben wir das Geschäftsfeld Wasserversorgung und Schmutzwassergebührenabrechnung wieder in Eigenregie übernommen. Wir betreiben Ladesäulen für Elektrofahrzeuge, vermarkten die Lade-App und -Karte „cell-e-mobil“. Nutzer und Nutzerinnen laden ihr Elektrofahrzeug dort an unseren Ladesäulen aktuell zu einem Preis von 0,40 Euro pro Kilowattstunde. Hinzu kommen Beteiligungen und Tochtergesellschaften. Wir haben einfach konsequent die Chancen genutzt, die sich uns boten. Insofern haben wir uns zu einem echten kommunalen Dienstleister entwickelt – wir sind kein anonymer Versorger, sondern Teil der kommunalen Infrastruktur und des öffentlichen Lebens. Wir kennen die Stadt und die Menschen. Wir verstehen uns als Unternehmen für Celle und die Region. Diese lokale Ausrichtung spiegelt sich auch in unserem Beschaffungswesen wider: Bei Ausschreibungen, etwa für Büromöbel oder Dienstleistungen, beziehen wir vor allem regionale Anbieter ein. Wir wollen die Wertschöpfung in der Region halten und lokale Wirtschaftsstrukturen stärken. Sie haben kürzlich auch die Celler Photovoltaik- und Elektrogesellschaft (CPE) gegründet. Ja, zu unserem Verbund gehört jetzt auch die CPE, die aus dem traditionsreichen Celler Unternehmen Stahlhuth hervorgegangen ist und mit mittlerweile über 20 Mitarbeitern die Elektro- und Energietechnikprojekte in der Region realisiert. Zur CPE zählt auch ein neues Lichtstudio. Neben Lichtplanungen können Kundinnen und Kunden dort Leuchten und Beleuchtungssysteme erwerben. Dabei sind sicher nicht alle Bereiche wirtschaftlich profitabel, oder? Wie gehen Sie damit um? So ist es – unsere Schwimmbäder machen beispielsweise jedes Jahr etwa drei Millionen Euro Verlust. Dennoch gibt es den bewussten politischen Wunsch der Daseinsvorsorge und z.B. die Eintrittspreise stabil und moderat zu halten. Damit wird auch sozial Schwächeren der Schwimmbadbesuch ermöglicht; außerdem ist es wichtig, dass Kinder und Jugendliche schwimmen lernen. Dieser öffentlichen Aufgabe stellen wir uns natürlich gerne und schaffen es glücklicherweise, diese erheblichen Verluste durch andere ertragreiche Geschäftsfelder auszugleichen. Kommunale Unternehmen haben eben nicht nur eine wirtschaftliche, sondern auch eine gesellschaftliche Aufgabe. Foto: Redaktion 10 Wohnen
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